„Lodenliebe“

CEO Markus Holthausen von Waldkauz im Interview


Bild:Markus Holthausen
Bild:Markus Holthausen

Tom:
Warum hast du dich entschieden, Loden für deine Produkte zu verwenden? Was schätzt du an diesem Material?

Markus:
Als Jungjäger, habe ich mich – wie die Meisten – erstmal durch alle möglichen Jagdklamotten und Ausrüstung probiert und auch viel Lehrgeld bezahlt. Zwei Dinge haben mich dabei sehr beschäftigt, nämlich zum einen meine Tarnung und zum anderen ein gutes Trageklima.  Mit Tarnung meine ich nicht nur die Optik, sondern auch die akustische Tarnung. Ich wollte keinen Flecktarn tragen, trotzdem aber für das Wild unauffällig bleiben und vor allem keine unnötigen Geräusche verursachen. Wenn ich stundenlang still in der Kälte saß, wollte ich nicht frieren und trotzdem in Bewegung auf der Pirsch oder beim Bergen von Beute nicht überhitzen.  Irgendwann bin ich dann durch einen ausgeliehenen, alten Jagdmantel beim Loden gelandet. Zu dem Zeitpunkt hatte ich allerdings noch keine Pläne, selber Produkte daraus herzustellen. Was ich an Loden schätze, ist eine ganze Menge: Loden vereint alles, was ich mir damals gewünscht habe: Er ist extrem Leise, raschelt und glänzt nicht und es gibt ihn in naturnahen Farben. Der Stoff wärmt und nimmt gleichzeitig Körperfeuchtigkeit auf, die er nach außen in so einem hohen Maß abtransportiert, dass man sich darin eigentlich nie nassgeschwitzt fühlen muss. Abgesehen davon ist es eine Naturfaser, die keine nicht-abbaubaren Rückstände in der Natur hinterlässt.  Kurzum, ich schätze am Loden, dass er mich wärmt, belüftet, tarnt und ich mich dabei gut gekleidet fühle. Und das so sehr, dass ich meine ganze berufliche Existenz darauf aufgebaut habe.

Bild: Tom Tittmann
Bild: Tom Tittmann

Tom:
Woher beziehst du deine Rohstoffe? Legst du Wert auf nachhaltige und regionale Quellen?

Markus:
Das kommt sehr darauf an, was wir wo finden. Die meisten Materialien beziehen wir aus Deutschland und der EU, wo wir auch unsere Produkte herstellen. Ein schönes Beispiel sind unsere Lodenjacken: Das Garn wird in Deutschland gesponnen und zu Loden verarbeitet, die Jacke wird dann innerhalb der EU genäht. Viel kürzere Wege kann eine Ware kaum zurücklegen. Es gibt aber auch Materialien, die man außerhalb der EU beschaffen muss, weil die entsprechende Qualität woanders einfach besser oder gar nicht in der EU erhältlich ist. Der von uns verarbeitete Waxcotton (gewachste Baumwolle) kommt z.B. immer aus UK und manche Mischgewebe werden am besten in Südkorea gewoben. Wir bevorzugen lokale Hersteller, aber wo nötig, verschließen wir uns nicht anderen Ländern. Am Ende soll die Qualität stimmen.

Tom:
Was macht für dich ein wirklich gutes Produkt aus? Gibt es bestimmte Merkmale, die ein Produkt unbedingt haben sollte? 

Markus:
Ein gutes Produkt erfüllt seinen Zweck, wenn es von seinem Besitzer gerne und oft genutzt wird. Es muss gut  durchdacht sein und funktionieren, ansonsten hilft das beste Material nichts. Dafür nehmen wir uns so viel Zeit, wie es braucht. Manche Produkte sind bei uns über mehrere Jahre immer wieder überarbeitet worden, bevor sie überhaupt zum Verkauf angeboten werden. Der aktuell neueste Rucksack „Optikauz“ ist so ein Fall. In mehr als fünf Jahren haben wir ihn mehrere Male komplett verworfen und wieder neu entwickelt, bis wir endlich richtig zufrieden damit waren. Vorher gab es nur interne Prototypen, die immer und immer wieder auf der Jagd getestet wurden.

Bild: Tom Tittmann
Bild: Tom Tittmann


Tom:
Wo und von wem werden deine Produkte hergestellt? Welche Rolle spielen Handwerkskunst und Tradition dabei?

Markus:
Wir entwickeln jedes einzelne Produkt komplett in unserem eigenen Atelier. Dazu gehört auch das gerade erwähnte ausgiebige Testen in freier Wildbahn. Meine berufliche Vorgeschichte als Grafik- und Produktdesigner spielen da genauso rein, wie das handwerkliche Können unserer Schneiderinnen, die sich bei der Entwicklung um die perfekte Verarbeitung kümmern.

Tom:
Wie groß darf die Marke Waldkauz werden, ohne den ursprünglichen Manufakturgedanken zu verlieren?

Markus:
Allgemein eine interessante Frage. Man sieht an der Geschichte großer Marken oft, dass im Wandel von einem mit Herzblut aufgebauten, kleinen Unternehmen zu einem Konzern die Seele verloren geht, weil auf einmal nicht mehr der Gründer, sondern die Investoren das Sagen haben. Aber keine Sorge, von dem Punkt sind wir Lichtjahre entfernt, nicht zuletzt, weil wir gar keine Investoren haben.

Bild: Tom Tittmann
Bild: Tom Tittmann


Tom:
Wie viel Handarbeit steckt noch in deinen Produkten? Warum ist dir dieser Aspekt wichtig?

Markus:
Tja, wie definiert man eigentlich Handarbeit? Im Sinne von „selbstgestrickt“ steckt nicht viel drin bei uns, aber ein Textiles Produkt ist an sich immer von einem sehr hohen Grad an Handarbeit geprägt. Das Beginnt beim Zuschnitt aller Schnittteile, der zwar maschinell, aber in kleineren Betrieben noch von Hand ausgeführt wird. Weiter geht es beim Nähen, Bügeln und sogar der Endkontrolle. Viele Kleinteile aus Leder erfordern Handarbeit in Form von Ausschneiden, Stanzen oder dem Einbrennen eines Logos. Selbst die hochwertigen YKK-Reißverschlüsse werden bei uns oft von Hand zusammengesetzt und eingenäht, um perfekt zu sitzen. Jeder Arbeitsschritt hat das Zeug, ein Produkt zu verderben, wenn er nicht sauber ausgeführt wird. Insofern ist die Sorgfalt der Menschen, die unsere Artikel nähen, existentiell wichtig für uns.

Tom:
Was liebst du an der Jagd? Gibt es besondere Erlebnisse, die dir in Erinnerung geblieben sind?

Markus:
Das Jagen und das Beute machen an sich ist ein wichtiger Teil der Jagd aber mindestens genauso wichtig ist mir jedes Naturerlebnis, sei es die Beobachtung eines seltenen Vogels, einer Wildkatze oder einfach ein nebliger Sonnenaufgang im Wald.  Beim Versuch, einem Laien die Jagd zu erklären ziehe ich immer gerne den Vergleich zu einem 1000-Teile-Puzzle. Bei jedem Ansitz nimmt man ein kleines Puzzleteil an Wissen über die Natur mit nach Hause und im Laufe der Jahre wird mehr und mehr ein Bild daraus.

Bild: Tom Tittmann
Bild: Tom Tittmann

Tom:
Wie viel Zeit bleibt dir persönlich noch für die Jagd? Wie schaffst du es, diese Leidenschaft mit deinem Berufsleben in Einklang zu bringen?

Markus:
Es gab Zeiten in den ersten WALDKAUZ-Jahren, da ist die Jagd massiv zu kurz gekommen, vor allem, weil sie ein enorm wichtiger Teil meiner Arbeit ist. Wenn ich nicht rauskomme, kann ich keine Produkte ausprobieren und keine neuen Ideen mit ins Atelier bringen. Das gilt für die Jagd genauso, wie für Hüttentouren, Kanutrips, Radtouren und andere Outdooraktivitäten. Aber so ist das halt, wenn man ein Unternehmen gründet. Inzwischen ist aber die Arbeit im Büro und in der Natur wieder ganz gut im Lot, nicht zuletzt, weil wir inzwischen ein tolles und sehr zuverlässiges Team haben, das mich auch mal entbehren kann.

Tom:
Wie wichtig ist dir die Familie? Inwiefern beeinflusst sie deine Arbeit und deine Leidenschaft für die Jagd?

Markus:
Ohne meine Frau gäbe es den WALDKAUZ ebenso wenig wie ohne mich. Wir haben die Marken zusammen aufgebaut und gehen auch beide auf die Jagd. Unser Sohn darf noch noch nicht, würde aber gerne und unsere Tochter wird den STEINKAUZ dann später mal zu einer Sport- und Modemarke ausbauen. Oder alles kommt ganz anders, wer weiß? Glücklicherweise passt bei uns alles ganz gut unter einen Hut. Natürlich unter einen Filzhut.

Bild: Tom Tittmann
Bild: Tom Tittmann


Tom:
Wenn du heute auf deinen Weg zurückblickst, was würdest du anders machen? Gibt es Entscheidungen, die du im Nachhinein anders getroffen hättest?

Markus:
Ja, zurückblickend würde ich mit meinen heutigen Erfahrungen vieles anders gemacht haben, aber zurückblicken ist halt immer sehr theoretisch. Zurückblickend hätte ich 1980 all mein Geld in Apple-Aktien gesteckt, habe ich aber nicht. Also bin ich lieber ganz zufrieden, dass bisher alles ganz gut funktioniert hat und nehme jede Fehlentscheidung auf dem Weg billigend in Kauf!

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Hier findest du Produkte, die wir gekauft oder für euch getestet haben.

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