Fällkniven F1 – klein, stark und verdammt scharf

Der schwedische Überlebenskünstler

Es gibt Messer, die sehen schon auf den ersten Blick danach aus, als könnten sie einen ausgewachsenen Elch zerlegen, einen Baum fällen und anschließend noch eine Blockhütte bauen. Auf den ersten Blick wirkt das Fällkniven F1 eher unscheinbar. Kein riesiger Prügel, kein taktischer Schnickschnack und auch keine Klinge, bei der man sich fragt, ob man damit noch ein Messer oder schon ein Kurzschwert am Gürtel trägt. Naja … und genau das macht dieses Messer für mich so interessant. Denn das F1 ist nicht einfach als irgendein weiteres Outdoormesser entstanden. Fällkniven entwickelte es ursprünglich als Überlebensmesser für die Piloten der schwedischen Luftwaffe. Seit Mitte der 1990er-Jahre gehört es dort zur Ausrüstung. Die Idee dahinter ist eigentlich ziemlich einfach: Sollte ein Pilot irgendwo in der skandinavischen Wildnis notlanden, braucht er ein kompaktes und robustes Messer, auf das er sich im Ernstfall verlassen kann. Und wenn man das F1 zum ersten Mal in die Hand nimmt, versteht man ziemlich schnell, warum es so aussieht, wie es aussieht. Hier ging es nie darum, einen Schönheitspreis zu gewinnen. Das Ding sollte funktionieren. Aber ein gutes Messer für den Wald muss ja nicht zwangsläufig vom Himmel fallen, um sinnvoll eingesetzt zu werden. Auch bei der Jagd braucht man schließlich ein zuverlässiges Messer. Zum Aufbrechen, für kleinere Arbeiten am erlegten Wild und für all die Dinge, bei denen man draußen plötzlich feststellt, dass eine scharfe Klinge doch ganz praktisch ist.

Klein, aber oho

Mit einer Gesamtlänge von rund 21 Zentimetern gehört das F1 definitiv nicht zu den großen Messern. Die Klinge misst knapp 10 Zentimeter und ist dabei ordentlich kräftig dimensioniert. Als ich das Messer das erste Mal in der Hand hatte, war mein erster Gedanke: Ganz schön kompakt. Der zweite: Ganz schön massiv. Und genau diese Mischung gefällt mir. Gerade bei der Jagd brauche ich kein riesiges Messer am Gürtel. Beim Aufbrechen bringt mir eine möglichst lange Klinge keinen wirklichen Vorteil. Im Gegenteil: Eine kompakte Klinge lässt sich kontrollierter führen und genau das ist bei Arbeiten am Wild deutlich wichtiger als ein paar Zentimeter mehr Stahl. Das F1 ist klein genug, dass man es problemlos am Gürtel tragen kann, ohne ständig irgendwo hängen zu bleiben. Gleichzeitig vermittelt die kräftige Klinge sofort das Gefühl, dass man mit dem Messer auch etwas gröber umgehen darf. Der Erl läuft durch den gesamten Griff. Kein sichtbarer Fulltang, wie man ihn beispielsweise vom Mora Garberg kennt, aber eine stabile Konstruktion, die für den ursprünglichen Einsatzzweck des Messers absolut Sinn ergibt. Ein Überlebensmesser eben. Nur ohne das übliche Rambo-Gedöns.

Der Griff – Gummi kann auch sexy sein

Okay. Sexy ist vielleicht etwas übertrieben. Der schwarze Thermorun-Griff des F1 ist optisch ungefähr so aufregend wie ein Winterreifen. Aber er funktioniert. Und zwar richtig gut. Die Oberfläche bietet einen sicheren Halt und gerade bei einem Messer, das draußen und bei der Jagd benutzt werden soll, ist mir das wichtiger als irgendwelche Griffschalen aus poliertem Edelholz. Regen, Schnee, Schweiß oder nasse Hände? Das F1 liegt sicher in der Hand. Und genau das ist auch beim jagdlichen Einsatz ein wichtiger Punkt. Ein Messergriff kann trocken noch so angenehm sein – wenn er bei Nässe plötzlich zur Rutschbahn wird, bringt mir das herzlich wenig. Der Thermorun-Griff ist außerdem ziemlich unkompliziert. Nach dem Einsatz lässt er sich leicht reinigen und man muss keine Angst haben, dass Feuchtigkeit irgendwelchen edlen Griffschalen zusetzt. Der Griff fällt allerdings relativ schlank aus. Wer Hände wie ein Holzfäller hat, könnte sich etwas mehr Material wünschen. Für meine Hände passt die Form gut und vor allem die Kontrolle über die Klinge gefällt mir. Bei längeren Schnitzarbeiten merkt man allerdings, dass das F1 kein klassisches Bushcraftmesser und auch kein klassisches Jagdmesser sein möchte. Aber genau das will es auch gar nicht sein. Es ist ein Allrounder. Und Allrounder müssen bekanntlich Kompromisse eingehen.

Eine Klinge wie ein kleiner Panzer

Die Klinge des F1 ist mit rund 4,5 Millimetern erstaunlich kräftig. Für ein Messer dieser Größe sogar richtig kräftig. Jetzt könnte man natürlich fragen: Braucht man das? Für das Aufbrechen eines Stückes Wild sicherlich nicht. Da würde auch eine deutlich dünnere Klinge ihren Dienst tun. Aber das F1 möchte eben mehr sein als ein reines Jagdmesser. Die Drop-Point-Klinge ist dabei für mich eine der universellsten Klingenformen überhaupt. Die Spitze lässt sich gut kontrollieren, gleichzeitig bietet die Klinge genügend Bauch für ziehende Schnitte.

Und genau das macht sie auch für die Jagd interessant. Beim Aufbrechen möchte ich schließlich wissen, wo sich die Spitze meines Messers gerade befindet. Eine kompakte Drop-Point-Klinge kommt mir dabei deutlich mehr entgegen als irgendeine martialische Bowie-Klinge. Was beim F1 besonders auffällt, ist der konvexe Anschliff. Wer bisher hauptsächlich mit Mora-Messern und deren Scandi-Schliff gearbeitet hat, muss sich zunächst etwas umstellen. Das Messer arbeitet anders im Holz. Bei jagdlichen Arbeiten spielt das eine deutlich kleinere Rolle. Hier zählt vor allem, dass die Schneide scharf ist, ihre Schärfe hält und sich das Messer kontrolliert führen lässt.

Vom Holz bis zum Wild

Ein Messer kann auf dem Papier noch so toll sein. Am Ende muss es draußen funktionieren. Und da wird es beim F1 interessant, denn das Messer sitzt irgendwo zwischen mehreren Welten. Es ist Survivalmesser. Es ist Outdoormesser. Es ist Bushcraftmesser. Und es macht auch bei der Jagd eine ziemlich gute Figur. Im Wald durfte das F1 zunächst die üblichen Aufgaben erledigen. Holz bearbeiten. Stöcke anspitzen. Feathersticks herstellen. Kleinere Äste entfernen. Beim Schnitzen musste ich mich tatsächlich erst etwas an die Klingengeometrie gewöhnen. Ein Mora mit Scandi-Schliff frisst sich gefühlt etwas aggressiver ins Holz. Das F1 möchte ein wenig anders geführt werden. Hat man den Dreh aber erst einmal raus, funktioniert das erstaunlich gut. Feine Feathersticks? Geht. Einen Stock anspitzen? Sowieso.

Etwas gröbere Holzarbeiten? Da fühlt sich das F1 richtig wohl. Und dann wäre da natürlich noch der Einsatz bei der Jagd. Mit seiner knapp zehn Zentimeter langen Klinge hat das F1 für mich eine sehr angenehme Größe für Arbeiten am Wild. Die Klinge lässt sich kontrolliert führen und ist nicht unnötig lang. Gerade beim Aufbrechen ist das für mich persönlich ein klarer Vorteil. Natürlich ist das F1 kein spezialisiertes Jagdmesser. Wer ausschließlich ein Messer zum Aufbrechen und Zerwirken sucht, wird wahrscheinlich zu einer dünner ausgeschliffenen Klinge greifen. Die schneidet bei solchen Arbeiten etwas leichter und präziser. Aber genau da kommt wieder der große Vorteil des F1 ins Spiel. Wenn ich morgens ins Revier gehe, brauche ich nicht zwingend drei verschiedene Messer am Gürtel. Das F1 kann die jagdlichen Arbeiten erledigen und danach trotzdem noch einen Ast bearbeiten, Holz für ein kleines Feuer vorbereiten oder bei sonstigen Arbeiten im Revier herhalten. Ein Spezialist kann einzelne Dinge besser. Ein guter Allrounder ist dafür häufiger dabei. Und das F1 ist definitiv ein Allrounder.

Batoning – muss das sein?

Jetzt kommen wir zu einer dieser Glaubensfragen. Muss man mit einem Messer Holz spalten? Nein. Kann man? Ja. Sollte man? Das muss jeder selbst wissen. Ich persönlich nehme dafür lieber ein Beil, wenn ich eines dabeihabe. Aber ein Messer wie das F1 wurde nun einmal als Survivalmesser entwickelt. Und da kann es durchaus Situationen geben, in denen man eben kein Beil im Rucksack hat. Das F1 steckt solche Arbeiten erstaunlich souverän weg. Natürlich sollte man dabei den gesunden Menschenverstand einschalten. Eine knapp zehn Zentimeter lange Klinge ist keine Spaltaxt. Für kleineres Holz und die Vorbereitung eines Feuers funktioniert es aber problemlos. Brauche ich das beim normalen Ansitz? Vermutlich eher selten. Aber haben ist bekanntlich besser als brauchen.

Die Lederscheide – genau mein Ding

Das F1 ist mit unterschiedlichen Scheiden erhältlich. Ich habe mich für die Lederscheide entschieden. Warum? Weil Leder einfach schöner ist. Punkt. Natürlich ist eine Kunststoffscheide pflegeleichter. Sie verträgt Wasser besser, trocknet schneller und ist wahrscheinlich die vernünftigere Wahl, wenn man dauerhaft unter wirklich widrigen Bedingungen unterwegs ist. Aber Vernunft ist eben nicht alles. Die Lederscheide passt für mich hervorragend zum F1. Sie nimmt dem Messer etwas von seinem militärischen Ursprung und macht daraus einen klassischen Begleiter für Jagd und Outdoor. Gerade bei der Jagd gefällt mir die Lederscheide. Das Messer sitzt sicher, trägt am Gürtel nicht unnötig auf und die Scheide macht keine störenden Geräusche. Wer sich schon einmal im Dunkeln auf den Hochsitz geschlichen hat und dabei mit irgendeinem Ausrüstungsteil an der Leiter hängen geblieben ist, weiß, dass weniger manchmal tatsächlich mehr ist. Natürlich hat Leder im jagdlichen Einsatz auch einen Nachteil. Wenn die Scheide mit Schweiß, Blut oder Feuchtigkeit in Kontakt kommt, ist sie deutlich aufwendiger zu reinigen als eine Kunststoffscheide. Das sollte man wissen. Wer sein Messer regelmäßig zum Aufbrechen nutzt und maximale Pflegeleichtigkeit möchte, ist mit einer Kunststoffscheide wahrscheinlich praktischer unterwegs. Trotzdem: Die Lederscheide gefällt mir persönlich einfach besser. Manchmal darf Ausrüstung schließlich auch ein bisschen Herz haben.

Der schwedische Überlebenskünstler

Und wie scharf ist das Ding?

Kurz gesagt: Scharf. Sehr scharf. Das F1 kommt mit einer Schneide daher, die ihrem Namen wirklich gerecht wird. Papier schneiden? Langweilig. Feine Späne vom Holz ziehen? Kein Problem. Und auch bei jagdlichen Arbeiten ist eine wirklich scharfe Klinge natürlich Gold wert. Gerade hier zeigt sich allerdings auch der Unterschied zwischen einem robusten Allroundmesser und einem spezialisierten Jagdmesser. Die 4,5 Millimeter starke Klinge des F1 ist eben ordentlich Material. Bei manchen feinen Arbeiten wäre eine dünnere Klinge angenehmer. Dafür muss man sich beim F1 deutlich weniger Gedanken darüber machen, ob man dem Messer vielleicht gerade etwas zu viel zumutet. Es kann fein. Es kann aber eben auch grob. Und genau diese Vielseitigkeit macht seinen Reiz aus.

Was gefällt mir nicht?

Ja, auch beim F1 gibt es Dinge, die mir weniger gefallen. Für lange Schnitzarbeiten könnte der Griff etwas voluminöser und komfortabler sein. Die kräftige Klinge ist extrem stabil, aber eben nicht die beste Wahl für wirklich feine Schneidarbeiten. Das merkt man beim Kochen genauso wie bei bestimmten Arbeiten am Wild. Und dann ist da noch der konvexe Anschliff. Wer ihn selbst nachschärfen möchte, sollte sich vorher ein wenig damit beschäftigen. Einfach das Messer in irgendeinen geführten Schärfer stecken und loslegen ist nicht unbedingt die beste Idee. Auch die Lederscheide ist aus rein praktischer Sicht nicht unbedingt die beste Wahl für ein Messer, das regelmäßig mit zum Aufbrechen genommen wird. Schön? Ja. Praktisch? Meistens auch. Pflegeleicht? Eher nicht.

Braucht man ein Fällkniven F1?

Da ist sie wieder. Die Frage aller Fragen. Braucht man dieses Messer? Natürlich nicht. Man braucht vermutlich auch keine zehn verschiedenen Messer. Haben möchte man sie trotzdem. Das Fällkniven F1 hat für mich aber einen entscheidenden Vorteil: Es ist eines dieser Messer, die man tatsächlich benutzt. Im Revier kann es am Wild eingesetzt werden. Beim Arbeiten rund um den Hochsitz macht es genauso mit. Auf einer Tour übernimmt es die typischen Aufgaben eines Outdoormessers. Und wenn es einmal etwas gröber wird, muss man nicht sofort Angst um die Klinge haben. Es ist nicht zu groß. Nicht zu schwer. Nicht zu empfindlich. Und vor allem nicht zu schade. Man steckt es in die Lederscheide, hängt es an den Gürtel und nimmt es mit. Genau so sollte ein gutes Gebrauchsmesser für mich sein.

Mein Fazit

Das Fällkniven F1 ist kein Blender. Es ist kein Messer, das durch seine Größe beeindrucken muss. Kein taktisches Monster und auch kein filigranes Vitrinenstück. Es ist ein Werkzeug. Ein verdammt gutes sogar. Die kompakte Größe, die kräftige Klinge und der sichere Griff machen das F1 zu einem zuverlässigen Begleiter für Jagd, Bushcraft und Outdoor. Ist es das perfekte Bushcraftmesser? Nein. Dafür gibt es Messer, die besser schnitzen. Ist es das perfekte Jagdmesser? Auch nicht. Dafür gibt es spezialisierte Messer mit dünneren Klingen, die bestimmte Arbeiten am Wild besser erledigen. Aber genau das ist vielleicht die falsche Frage. Denn das F1 möchte gar kein Spezialist sein. Wenn ich morgens ins Revier gehe, anschließend noch ein paar Arbeiten im Wald erledige und dabei nur ein einziges feststehendes Messer am Gürtel haben möchte, dann wird das F1 plötzlich verdammt interessant. Es kann aufbrechen. Es kann schneiden. Es kann schnitzen. Und wenn es sein muss, kann es auch einmal etwas gröber zur Sache gehen. Mit der Lederscheide sieht es dazu noch verdammt gut aus und macht am Gürtel eine deutlich klassischere Figur, als man es bei einem ehemaligen Pilotenmesser vielleicht erwarten würde. Und vielleicht ist genau das das Geheimnis dieses kleinen Schweden: Es versucht gar nicht, alles perfekt zu können. Es kann einfach verdammt vieles ziemlich gut. Im Wald. Im Revier. Und überall dazwischen. Und manchmal reicht genau das völlig aus.

Salü, Servus und Waidmannsheil

Andy

Transparenzhinweis

Wir haben das F1 selber gekauft. Für diesen Beitrag haben wir keine finanzielle Vergütung oder Gegenleistung erhalten. Unser Urteil und alle redaktionellen Inhalte sind vollständig unabhängig, unvoreingenommen und frei von werblicher Einflussnahme.

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